AUS EINS MACH ZWEI!

MODERNE LED-BELEUCHTUNGEN IM HISTORISCH ANMUTENDEN KINO „NEUES REX“

Abb.: Das in einem denkmalgeschützten Altbau gelegene »Neues Rex« wurde 2016 neu saniert. Im roten Saal mit 100 Sitzplätzen markieren rot leuchtende LED-Profile die Stufen optisch. Oberhalb der neuen Akustik-Deckenelemente können über die Lichtvouten verschiedene Farbspiele aus RGBW-LED erzeugt werden.

Sie hat mal wieder zugeschlagen: Die Innenarchitektin und Kinoplanerin Anne Batisweiler gestaltete 2016 das »Neues Rex« in München-Laim um. Aus einem Saal wurden zwei und trotz der Verwendung der alten Messingleuchten erstrahlt das Kino nun mit neuer LED-Technik.

Abb.: Der Besucher wird durch die dynamischen Lichtlinien in die Kinosäle hineingeführt. Der Gang wird durch warmweißes, indirektes LED-Licht beleuchtet. Messingfarbig eloxierte Wandleuchten setzen zusätzliche Lichtakzente. Neben der Minderung akustischer Störgeräusche dient diese »Zwischenschleuse« dazu, dass sich die Augen des Kinobesuchers an die dunkleren Lichtverhältnisse im Saal sanft anpassen.

Der Konkurrenzkampf auf dem Kinomarkt ist hart. Die Betreiber müssen sich schon einiges einfallen lassen, um beim Publikum zu punkten.

Thomas Wilhelm, der Inhaber des »Neues Rex« in München-Laim hat sich daher an die renommierte Kinodesignerin Anne Batisweiler gewandt, um hier wieder ganz vorne mitzumischen. Aus dem bisherigen Ein-Saal-Kino sollten zwei Säle entstehen, zwar etwas kleiner, aber dafür mit doppelt so viel Filmangebot.

Abb.: Im Zusammenspiel mit den Bühnenstrahlern wurden verschiedene Lichtfarbszenarien komponiert und programmiert, die zu unterschiedlichen Filmthemen eingesetzt werden, wie hier die Lichtstimmung »Barbie«.

Abb.: Die gereinigten, aufpolierten und neu bestückten Messingwandleuchten wurden mit warmweißen LED-Filamentlampen (3.000 Kelvin) ausgestattet.

Abb.: Im blauen Saal mit rund 70 Sitzplätzen wurden die bereits bestehenden Messingleuchten mit neuen LED-Filamentlampen bestückt.

Das »Neues Rex« befindet sich im ersten Obergeschoß eines denkmalgeschützten Altbaus über einer altbayerischen Gastwirtschaft mit Biergartenbetrieb im Sommer. Da kein Aufzug vorhanden ist und eine lange Treppe bis nach oben ins Kino führt, spekuliert Wilhelm, dass seine Besucher wohl echte Fans des Traditionskinos sind. Es war ihm wichtig, dass der große (d.h. größere) Saal weiterhin in der Farbe Rot erstrahlen und auch die klassischen Kinoleuchten aus Messing wieder eingesetzt werden sollten.

Um gute Saalproportionen zu generieren, wurde der zusätzliche, kleinere blaue Saal um 90° gedreht zum verkürzten großen Saal angeordnet. So konnten die vorhandenen Durchgänge vom Flur, ebenso wie der Bildwerferraum aus dem Bestand, weiterhin für einen Saal genutzt werden, ohne groß in die Bausubstanz einzugreifen.

Das neu überarbeitete Foyer gestaltete Wilhelm mit einem Thekenbauer weitgehend selbst, doch bei der Farb- und Lichtgestaltung vertraute er sich der Münchner Kino- und Lichtplanerin an.

Für Anne Batisweiler ist die Kinoplanung trotz Erfahrung und Routine immer wieder eine Herausforderung, das Einzigartige in jeder Aufgabe herauszuarbeiten. Sie hat neben dem »Neues Rex« auch zahlreiche weitere Lichtspielhäuser, wie z.B. den Gloria Palast, die Gabriel-Lichtspiele, das Royal, die Foyers der Museums-Lichtspiele und des CinemaxX, Teile des City Kinos oder u.a. das Gesamtkonzept des Mathäser in München geplant.

WARME FARBEN UND DYNAMISCHE LICHTGÄNGE

Die Materialien der Möblierung sowie die Wandfarben geben einen ersten Hinweis auf den Flur, der in die Säle führt. Die gereinigten, aufpolierten und neu bestückten Messingwandleuchten wurden mit Filamentleuchtmittel (E27-Sockel) neu ausgestattet, natürlich in festlichem Warmton von 3.000 Kelvin. Es sind dieselben, die sich ebenso im roten Kinosaal wiederfinden. Auch die indirekte Voutenbeleuchtung im hinteren Foyerbereich erkennt der Besucher im Kino 1 wieder. Die goldfarben angestrichenen Voutenelemente verdecken sowohl die warmweißen LED-Linien, als auch die RGB-LED, die nicht nur farblich gesteuert, sondern zudem gedimmt werden können. Die technische Umsetzung erfolgte durch das junge Team der Fürstenfeldbrucker Lichtfirma NUVOLIGHT.

Abb.: Aus Eins mach Zwei: Um gute Saalproportionen zu generieren, wurde der zusätzliche, kleinere blaue Saal um 90°gedreht zum verkürzten großen Saal angeordnet.

Noch bevor er die Säle betritt, überrascht den vom Foyer kommenden Besucher ein in warmen Braun- und Gold-Tönen getauchter Gang. Die mit goldenen Sprenkeln versehene Tapete reflektiert das Licht der indirekt angeordneten warmweißen LED-Profile im oberen Wandbereich. Die Lichtkonturen auf Brüstungshöhe und im Sockelbereich der dunkelbraunen Holzvertäfelung wirken auf die gesamte Länge wie dynamische Lichtstrahlen. Da der Gang über eine Rampe den Höhenausgleich zwischen den beiden Sälen ausbildet, wird die Dynamik in der Wirkung noch verstärkt. Messingfarbig eloxierte Wandleuchten von SLV setzen zusätzliche Lichtakzente auf dem Weg in die Kinosäle. Dieser Flur hat eine wichtige Schleusenfunktion zwischen Foyer und Kinosälen: Er mildert die akustischen Störgeräusche zwischen den verschiedenen Nutzungsbereichen und hilft den Augen des Kinobesuchers, sich an die dunkleren Lichtverhältnisse im Saal auf der Strecke dorthin anzupassen. Gleiches gilt nach dem Film in umgekehrter Richtung.

VON BARBIE BIS HALLOWEEN

Im roten Saal mit 100 Sitzplätzen wurde, um die Sichtverhältnisse zu verbessern, eine Podestanlage eingebaut, die nun mit rot leuchtenden LED-Profilen optisch die Stufen markieren, ohne zu viel Licht auf die Bildwand zu reflektieren. Oberhalb der neuen Akustik-Deckenelemente zeichnen sich die Farbspiele aus den Lichtvouten ab. Sie sind sowohl mit RGB-, als auch warmweißen LEDs bestückt, da der nur aus RGB gemischte weiße Lichtfarbton nicht so warm und festlich wirken würde. Im Zusammenspiel mit den jeweils rechts und links mit zwei und zwei angeordneten Bühnenstrahlern, die auf den goldenen Vorhang leuchten, wurden verschiedene Lichtfarbszenarien komponiert und programmiert, die zu unterschiedlichen Filmthemen eingesetzt werden können. Sie haben so klangvolle Arbeitstitel für die Lichtstimmungen wie »Barbie«, »Halloween«, »Roter Festsaal« oder »Mitternacht«.

Im blauen Saal mit rund 70 Sitzplätzen erhielten auch die kleineren, dreiarmigen Messingleuchten wieder ihre Bestimmung. Mit Filamentleuchtmitteln bestückt, aber hier in Kerzenbirnenform mit E14-Fassung, und in Kombination mit der dunkelblau gestreiften Stoffbespannung der Wände, erinnert der Saal ein wenig an das Schloss aus dem Disneyfilm »Die Schöne und das Biest«. Natürlich sind in diesem Raum die LED-Stufenprofile der Podeste passend in blau gewählt. Da es im kleineren Saal keinen Vorhang gibt, werfen ein weißer und ein blauer Bühnenstrahler Lichteffekte auf die Bildwand.

Abb.: Schnitt durch den roten und blauen Saal.

Das Konzept ist aufgegangen. Thomas Wilhelm hat zur rechten Zeit in den Umbau investiert, denn das erweiterte Filmprogramm und die gestiegenen Besucherzahlen sprechen für sich. Über das Lob seiner Besucher nach der Umgestaltung freut sich auch die Lichtdesignerin Anne Batisweiler. Das gab es unter anderem in großen Mengen zur LICHTWOCHE München 2016, als am 30.10.16 dort eine Führung durch das Kino und hinter seine Kulissen in Kombination mit der Film-Matinée »Lichtgestalten« stattfand. Wenn das kein Happy-End ist!

LICHT 3 | 2017 | www.lichtnet.de | PLAUM Verlag
Weitere Informationen: Kino »Neues Rex«, München, http://web.neuesrex.de/
Fertigstellung: August 2016
Innenarchitektur, Kino- und Lichtplanung: Kinoplanung Batisweiler / Planung-Raum-Design Anne Batisweiler, München, www.kinoplanung.de / www.planung-raum-design.de
Leuchten und Lichttechnik: SLV, www.slv.com, Nuvolight GmbH & Co. KG, Fürstenfeldbruck, www.nuvolight.de
Text: Anne Batisweiler
Fotos: Wolfgang Pulfer, München

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