DAS DESIGN „Mit nichts zu vergleichen“

 

EINTAUCHEN
Tor zu einer neuen Erlebniswelt:
der Audiovisual Pathway

Ein Erlebnis, das schon vor dem Betreten des Saales beginnt – dafür sorgen im Münchner Dolby Cinema gleich mehrere Komponenten. Auch eine einzigartige Lobby.

Wer das Dolby Cinema im Mathäser heute besucht, ahnt vermutlich nicht einmal, welcher architektonische Kraftakt dahinter steckte, dieses Konzept in einen Bestandsbau zu integrieren. Zu organisch wirkt die Implementierung der einzelnen Elemente, zu maßgeschneidert die gesamte Fläche. Was für Experten durchaus Zeugnis von dem ablegt, was Kinoplanerin Anne Batisweiler mit diesem Projekt gelungen ist. »Ich liebe die Herausforderung« lautet ihr Credo – davon bot der ehemalige Saal 1 des Mathäser doch etliche. Und sehr spezifische Anspruch von Kinopolis war von Anfang an, dem Premiumkonzept einen eigenen Stempel aufzudrücken, ihm ein besonderes Deutschlanddebüt zu gönnen. Und so glänzt dieses Dolby Cinema mit einem Unikum: einem eigenen Eingangsbereich und Foyer mit separater Concessions-Theke und exklusiver Lounge, die vor und nach dem Film zum Verweilen einlädt. »Auch wenn es stets ein herausragender Saal ist, ist er in anderen Häusern ja doch nur einer unter vielen«, sagt Batisweiler, »deswegen setzt sich der Mathäser an dieser Stelle noch einmal zusätzlich ab.« Für sie bedeutete es indes eine zusätzliche Herausforderung. Schließlich galt es, das Foyer mit ei-nem Aushängeschild des Dolby Cinema in Einklang zu bringen: dem »Audiovisual Pathway«, einem Eingangstunnel, der mit passenden Bildern und Klängen unmittelbar vor Betreten des Saals perfekt auf den jeweiligen Film einstimmt. »Dem Zuschauer schon beim Weg in das Auditorium das Gefühl zu geben, mitten im Geschehen zu sein, ihn quasi aus seiner realen mitten in die imaginäre Welt des Films eintauchen zu lassen, das ist schon sehr, sehr spannend«, beschreibt es die Kinoexpertin. Sie selbst erinnert sich noch gut an ihren ersten Besuch in einem Dolby Cinema, in dem sie von einem wandhohen T-Rex »begrüßt« wurde. »Das war intensiv, schlicht großartig.«

Der extralange Gang folgt dem Foyer nun parallel, gibt den Blick auf den eigentlichen Saal erst nach einer Krümmung am Ende preis – und sorgt somit für den doppelten „Aha!“-Effekt. Dabei folgt der Saal zunächst einmal einer ganz klaren Linie: Schwarz dominiert. Nicht nur hinsichtlich des einzigartigen Schwarzwertes der Projektion auf der Leinwand, sondern auch an den Wänden, der Decke und bei den Ledersesseln mit verstellbarer Rückenlehne. Der Gedanke dahinter: Der Besucher soll während der Vorstellung durch nichts abgelenkt werden, soll gänzlich in den Film eintauchen können. Eine Idee, die im Grunde »so alt ist wie das Kino selbst«, wie Batisweiler schildert – und zu deren großen Verfechtern übrigens Bernd Eichinger zählte. Und doch gibt es da noch eine Besonderheit, die auch ein wenig unterbewusst wirkt, die laut Batisweiler »ein Gefühl von Weite, von Erhabenheit« vermittelt: Blau-türkises Licht, das sich in Streifen über die Wände zieht und die Leinwand einrahmt – und das sich exakt im Frequenzbereich von 478 Nanometern bewegt. Ein Wert, der natürlich nicht zufällig gewählt wurde, sondern auf neurowissenschaftlicher Forschung der Dolby Laboratories über die Wirkung von audiovisuellen Eindrücken beruht und eine geradezu magische Atmosphäre schaffen soll. Batisweiler beschreibt es so: »Wenn man auf die Leinwand und den sie umgebenden Lichtschimmer blickt, ist es, als würde man von der Brücke eines Raumkreuzers in die Unendlichkeit blicken.« In einem ohnehin nicht gerade kleinen Saal vermittle dies ein zusätzliches Gefühl von Größe.

 

ABHÄNGEN
Die exklusive Lounge des Dolby Cinema im Mathäser

Indes ist es gerade, was der Gast nicht sieht, das die Architektin und ihr Team bei diesem Projekt vor eine der größten Herausforderungen stellte: die insgesamt 116 Boxen der Dolby-Atmos-Installation in Studioqualität sind nicht sichtbar. Natürlich nicht hinter der Leinwand, aber auch nicht an Wänden oder Decke, vielmehr verschwinden sie jeweils hinter einem sogenannten »Kokon«, um den magisch-mystischen Eindruck des audiovisuellen Spektakels noch weiter zu unterstreichen. »Um das an der Decke realisieren zu können, mussten wir einen Teil der Bauakustikschale öffnen und eine zusätzliche Unterkonstruktion anbringen, die sowohl Lautsprecher als auch Kokon aufnehmen konnte«, erläutert Batisweiler. »Ich mache ja nun schon seit rund 30 Jahren Kino, aber das war auch für mich eine absolute Premiere, im Grunde kann man von einer Neuentwicklung sprechen, die wir an dieser Stelle leisten mussten.« Eine »sehr spannende« Aufgabe, die mit »keinem anderen Kino zu vergleichen ist, das ich je entworfen habe. « Rund elf Monate hat Anne Batisweiler von der ersten Kontaktaufnahme über die Planung bis hin zur abgeschlossenen Realisierung in dieses Projekt gesteckt. Und ist nach eigenem Bekunden »besonders stolz darauf«, Wege gefunden zu haben, all das umzusetzen, was ein Dolby Cinema auszeichnet – und mehr. »Ich sage immer: Geht nicht, gibt’s nicht – und gerade bei einem Premium-Umbau wie diesem muss wirklich jeder das Gefühl haben, dass etwas vorangegangen ist, dass man es mit einem ganz neuen Erlebnis zu tun hat. Der Kinogänger will ein Event erleben, das sich signifikant von dem abhebt, was man Zuhause erreichen kann. Es geht um die ganz große Erfahrung. Eine, in die man sich buchstäblich hineinfallen lassen kann.

«Stellt sie das Resultat zufrieden? »Es ist das Lebenselixier einer Innenarchitektin, ihre Ideen verwirklicht zu sehen. Vorstellungen, wie sie der Planung dieses Saals zugrunde lagen, am Ende real umgesetzt zu haben, fühlen, hören und sehen zu können, wie Design, Ton und Bild ineinandergreifen, ist schlicht eines: ein Wahnsinnserlebnis.« Das wäre schon ein schönes Schlusswort, gäbe es da nicht noch eine entscheidendere Instanz. Doch auch um diese muss man sich wohl nicht sorgen, wie Batisweiler schildert: »Ich habe Kinobesucher noch nie so begeistert aus einem Saal kommen sehen, wie hier. « Eine echte Ansage.

Quelle: BLICKPUNKT:FILM – SPEZIAL | Dolby Cinema im Mathäser |Juni 2019
Verlag: Blickpunkt:Film GmbH
Redakteur: Marc Mensch
Fotos: Andreas Büttner

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