Gloria Palast, München

Ilse Kubaschewski, die Grande Dame des Kinos der 50er- / 60er-Jahre hatte sich mit dem Gloria Palast den Traum erfüllt, „ihre Filme“ als Verleih-Chefin im eigenen Haus präsentieren zu können. Leider hat das Kino in den folgenden Jahrzehnten seinen einstigen Glanz im denkmalgeschützten Ensemble immer mehr verloren.

Von dem einst mondänen Ambiente, als eine glamouröse Premierenfeier der anderen folgte und Filmstars aus der ganzen Welt sich im Gloria Palast ein Stell-dich-ein gaben, war nicht mehr viel übrig. Die einzigartigen Wasserspiele dort, die im farblich wechselnden Licht ihrer tanzenden Fontänen musikalisch von einem Orgelspieler unterhalb der Bühne begleitet wurden, waren schon lange abgebaut. Auch eine halbherzige Renovierung in den 80er-Jahren konnte dem früheren Vorzeigehaus keine neuen Impulse verleihen. Vor diesem Hintergrund traf der Betreiber des Kinos die Entscheidung, ein komplett neues Konzept mit diesem Kleinod zu starten.

2012 wurden wir von Kinopolis beauftragt Vorschläge für eine Modernisierung und Umgestaltung zu liefern, welche das Kino in ein Premium-Haus mit exklusivem Charakter verwandeln sollte. Die einst ca. 800 Sitzplätze waren in den 80ern ja bereits auf knapp 500 reduziert worden. Nun sollte es knapp die Hälfte an Sesseln werden, doch dafür alles luxuriös und von besonderer Atmosphäre. Um ein furioses Comeback zu erreichen, galt es für uns ein Gestaltungskonzept zu entwickeln, das an die glamouröse Vergangenheit anknüpfte, aber auch allen modernen technischen und funktionalen Anforderungen gerecht wurde. Mit viel Fingerspitzengefühl für die denkmalgeschützte Bausubstanz, die Qualität des Bestands und mit der Vorstellungskraft für einen besonderen Ort wurde das Gloria wieder zu einem Palast.

Die ehemaligen Wasserspiele lieferten die entscheidende Idee: anstelle funkelnder Wassertropfen wurden Leuchten in Form von Fontänen aus Strasssteinen mit energiesparender LED-Technik entworfen. Schwungvolle, indirekt beleuchtete Lichtvouten im Foyer unterstützen Dynamik und Eleganz der geschwungenen Treppe mit dem weichen, dunkelroten Teppich. Champagnerfarbene, perlmutt-schimmernde Wände, cremefarbene Polsterungen an Theken- und Möbelfronten, rautenförmig abgesteppt und an den Kreuzungspunkten mit Strasssteinen verziert, lassen die Swinging Fifties wieder aufleben.

Sogar die Garderoben sind durchdacht: wenn im Sommer kaum noch Mäntel abzugeben sind, kann ein Teil – oder sogar alle Garderobenhalter – hinter einen roten Vorhang weggeklappt werden. Dadurch entsteht zusätzlicher Raum im Foyer. Passend gestaltete, mobile Paravents und ovale Tischwagen ermöglichen stets neue Gestaltungs- und Nutzungsvarianten.

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Der Saal übertrifft gewohntes Kinoambiente durch eigens für dieses Lichtspieltheater entworfene, sehr breite, bequeme Ledersessel und –hocker zum Füsse hochlegen. Jeder Platz hat eine individuell verstellbare Rückenlehne sowie ein wegklappbares Tischchen für den Verzehr von exquisiten Speisen und Getränken, die selbstverständlich an den Platz geliefert werden. Perfekte Sichtverhältnisse, ein gestochen scharfes Bild, ausgezeichneter digitaler Surroundsound und auf Wunsch zusätzliche Kissen oder Decken, all dies ist Luxus pur. Zwei Vorhänge, einer rot mit dezenten Glitzerfäden und ein weiß schimmernder mit feiner Streifenstruktur, bieten eine imposante Dramaturgie, wenn sie sich in eigens abgestimmten Schritten öffnen.

Dem Kinobetreiber war bewusst, dass nur mit einem exklusiven Konzept und außer-gewöhnlich attraktivem Design dieser besondere Ort seine Besucher anziehen wird. Die Investitionen sollten sich wieder einspielen und die Auslastung dazu deutlich erhöht werden. Solche Vorgaben bedeuten für die Gestaltung, die Betriebsorganisation zu optimieren, sie durch sinnvolle Möblierung und deren Anordnung zu unterstützen, energiesparende Technik, pflegeleichte und robuste Materialien und Oberflächen vorzusehen und dennoch eine Umgebung, die für Komfort und Luxus steht zu erschaffen.

Die einzigartige Gestaltung, deren Design sich am historischen Highlight der Wasserspiele orientiert schafft eine besondere Atmosphäre. Während ältere Besucher sich noch daran erinnern, dass früher die ersten Sitzreihen immer von den Wasserfontänen etwas durchfeuchtet waren, kann man heute hier seine Füsse entspannt in bequemen Ledersesseln hochlegen und das Kinoerlebnis wirklich geniessen. Sowohl die geschwungenen Treppen im Foyer, mit dem roten Teppich erzeugen Bilder vom Glamour der Hollywoodstars, welche in eleganter Abendrobe den „Red Carpet“ hinunter schweben, als auch die schimmernden Wände oder die gepolsterten Theken. All das sorgt bei den Besuchern für ein besonderes Erlebnis, das in Erinnerung bleibt, über das man (positiv) spricht und wohin man gerne wieder kommt. Und für die Mitarbeiter ist es ebenso ein besonderer Ort, eine Auszeichnung hier zu arbeiten. Die Exklusivität ermöglicht überzeugend zusätzliche Nutzungen wie Opernübertragungen (die immer ganz schnell ausverkauft sind) oder Sonderveranstaltungen (die heiß begehrt sind). Das trägt massiv dazu bei ein wirtschaftlich erfolgreiches Premiumhaus zu betreiben.

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